Dienstag, 27. April 2010

Visionen für das Kölner Museum für Angewandte Kunst (MAK)


Das MAK besteht seit 1881 und ist damit nach dem Wallraf-Richartz-Museum das zweitälteste Museum Kölns. Obwohl es das einzige Museum für angewandte Kunst in Nordrhein-Westfalen findet es im öffentlichen Bewusstsein kaum statt. Sein Image lässt sich getrost als verstaubt bezeichnen.

Seit dem 1. März 2010 wird das Museum nun durch seine neue Direktorin Frau Dr. Petra Hesse geleitet. In einem Vortra g auf Einladung des Kulturforums Köln e.V. stellte sie am 26. April 2010 ihr Konzept vor. Den Vortrag betitelte sie mit „ Die Zukunft des MAK“. Und sie versprach nicht zu viel!

Frau Dr. Hesse, eigentlich Frankfurterin, arbeitete die letzten 11 Jahre in Mannheim. Dort sammelte sie umfangreiche Erfahrungen im Museumsmanagement, die sie nun in Köln einbringen will.

Zunächst stellte sie die Stärken des MAK vor. Dazu gehören etwa die 5.300 qm Ausstellungsfläche in einem architektonisch herausragenden Gebäude und der exzellente Standort mitten in der Kölner City. Dieser Standortvorteil wird aktuell jedoch nicht als Trumpf gespielt. Deshalb ist der erste Ansatzpunkt eine bessere Außendarstellung. Dazu gehört eine visuelle Profilierung. Im Außenbereich sollen schon bald ein Farbband entlang des Ausstellungsgeschosses und Schaufenster im Erdgeschoss die Besucher anlocken und Laufpublikum animieren, sich mit dem MAK zu beschäftigen. Im Moment ist von außen kaum erkennbar, was innerhalb des Gebäudes stattfindet.

Innerhalb des Museums will Frau Dr. Hesse den kathedralen Charakter des Hauses betonen und die Oberlichter stärker in den Mittelpunkt rücken. Das Ganze soll – wie heute allgemein üblich – durch ein Corporate Design unterstrichen werden. Mittels eines integrierten Besucherleitsystems sollen sich die Museumsbesucher zurechtfinden.
Neben der Visualisierung will Frau Dr. Hesse das Profil des MAK als Zentrum für Design stärken. Dazu will sie verstärkt Kooperationen mit der Kreativwirtschaft und der Hochschullandschaft suchen. Als konkretes Beispiel führte sie die Gründung der „DesignLounge Cologne“ mit dem Rotonda Business Club an. Zielgruppe sind alle Akteure der Design- und Kreativszene, die sich 6 mal jährlich treffen. Die erste Lounge wird am 10. Juni 2010 um 19.00 Uhr stattfinden.

Die einzelnen Ausstellungsjahre sollen unter ein spezielles Thema gestellt werden. Für 2011 stellte sie unter dem Thema „Design und Kunst“ spannende Ausstellungen, wie „The Art of Pop Video“ parallel zur c/o pop oder „Fantastic GameZ – Gamesdesign von 1979 bis 2009“ zur Gamesconvention vor. 2012 wird dann das Jahr der Architektur und 2013 das Jahr der Männer!
Insgesamt macht Frau Dr. Hesse einen frischen, motivierten Eindruck. Sie scheint die richtigen Stellschrauben gefunden zu haben, mit denen sie ohne zusätzliches städtisches Geld das Image des MAK verbessern und frischen Wind in das Museum bringen wird. Ich bin gespannt, wie die Visionen in der Realität wirken werden!

MAK Museum für angewandte Kunst

Kulturforum Köln e.V.

Freitag, 23. April 2010

hörner|antlfinger im Künstlergespräch auf der ArtCologne


Auf der ArtCologne 2010 lud am 22. April das imai – inter media art institute, Düsseldorf, zum Künstlergespräch in die Rheinlandlounge. Im äußerst kleinen Kreis (neben mir noch zwei weitere Gäste und die Moderatorin Darija Simunovic) entwickelte sich ein interessantes Gespräch mit dem Künstlerpaar Ute Hörner und Mathias Antlfinger.

Unter der Marke hörner|antlfinger haben sich die beiden der Videokunst verschrieben. Seit 2009 sind sie zudem Professoren für Medienkunst an der Kunsthochschule für Medien Köln.

Was unterscheidet ein Künstlerpaar von einem Einzelkünstler? Wer alleine arbeitet, ist mindestens doppelt so schnell! Als Künstlerpaar redet man über Ideen - vergleichbar zu einem Bildhauer bildet sich dann langsam ein Projekt heraus. Wenn man gemeinsam arbeitet, muss man den anderen mitnehmen, ihn überzeugen. Es ist viel aufwändiger als wenn man alleine arbeitet.

Trotz dieser klaren Worte machten hörner|antlfinger überhaupt nicht den Eindruck als seien sie genervt davon, den jeweils anderen erst überzeugen zu müssen. Sie scheinen sich perfekt zu ergänzen und spielten sich auch im Gespräch die Bälle zu.

Angesprochen auf die technische Entwicklung im Bereich der Videokunst, stellte sich dann ein klassischer Konflikt zwischen Künstlern und Sammlern dar. hörner|antlfinger berichteten, dass sie gerade eine 15 Jahre alte Videoinstallation für das Museum Ludwig auf neuere Hard- und Software transformieren. Solange die Künstler dazu bereit und in der Lage sind, ist es ja gut. Andernfalls zeigt sich dann die Vergänglichkeit von Kunst…

hörner|antlfinger denken während ihrer Projekte nicht über die Lebensdauer der digitalen Kunst nach. Sie halten diese Arbeiten – aufgrund des technischen Fortschritts - niemals für abgeschlossen! Sie könnten ja nach 10 Jahren überarbeitet werden. Zugleich wünschen sie sich aber auch ein einheitliches Format für digitale Kunst, das dann tatsächlich für einen größeren Zeitraum Bestand hat.

Ausgewählte Videos von hörner|antlfinger können im Online-Katalog des imai – inter media art institute betrachtet werden. Dort ist auch ein Kauf möglich.

hörner|antlfinger
imai – inter media art institute

Sonntag, 18. April 2010

Alberto Giacometti trifft Stephan Balkenhol


Als Alberto Giacometti im Jahr 1966 starb, war Stephan Balkenhol erst 8 Jahre alt. Und so musste Balkenhol zunächst sein Studium an der Hochschule für Bildende Künste in Hamburg bei Ulrich Rückriem abschließen, bis er sich dem Werk von Giacometti näherte. Das Lehmbruck-Museum in Duisburg brachte die künstlerischen Positionen der beiden Bildhauer nun in parallelen Ausstellungen in einen realen Diskurs. Am 17. April 2010 war Stephan Balkenhol persönlich zum Künstlergespräch anwesend.

Balkenhol faszinierte an Giacometti von Anfang an die unprätentiöse Herangehensweise an die Skulptur. In bewusster Abgrenzung zu vielen Vertretern in der Kunst (z.B. in der Pop Art) will er sich von aufgestülpten Inhalten lösen. Wie Giacometti will er das Menschenbild konkret sehen.

Anders als Giacometti sieht sich Balkenhol jedoch „nur” als Bildhauer, nicht auch als Maler. Während Giacometti geradezu erzürnt war, dass er 1962 neben dem Großen Preis der Biennale in Venedig für Bildhauerei nicht auch als Maler ausgezeichnet wurde, versteht sich Balkenhol insoweit lediglich als „Anstreicher“. Er streicht seine Skulpturen an, gibt den Männern z.B. eine Hose und ein Hemd. Damit will er vor allem erreichen, dass das Material der Skulptur – meistens Pappelholz – in den Hintergrund tritt. Es ist für ihn nicht bedeutend, sondern entspricht einfach seinem Temperament.

Bei der Ausübung seines Temperaments spielt er Gott. Er arbeitet ohne Modell und schafft aus dem Rohling einen Menschen. Diesen bietet er dann als Projektionsfläche für Jeden an.

Anders als Giacometti, der zeitlebens mit seinem Werk haderte, ist Balkenhol mit den Ergebnissen seiner Tätigkeit überaus zufrieden. Er hält seine Skulpturen für gelungen. Eine Einschätzung, die die zahlreichen Besucher wie auch der Kunstmarkt seit Jahren teilen.

Stephan Balkenhol in der Galerie Löhrl

Stephan Balkenhol in der Galerie Rüdiger Schöttle

Stephan Balkenhol in der Johnen Galerie

Fondation Alberto et Annette Giacometti

Lehmbruck-Museum, Duisburg


Mittwoch, 14. April 2010

Magische Momente mit Wade Guyton

Eine Woche vor Eröffnung seiner Ausstellung im Museum Ludwig in Köln bot Wade Guyton den zahlreichen Besuchern seines Künstlervortrags einen intimen Einblick in seine Arbeit. 1972 in Hammond, Indiana, geboren studierte er bis 1998 am Hunter College in New York City. Eines Abends saß er vor seinem Computer und blickte gelangweilt auf sein Equipment. Ohne besondere Inspiration legte er ein herumliegendes, bedrucktes Papier in seinen Tintenstrahldrucker und ließ es überdrucken.

Als er das Ergebnis sah, hatte er diesen magischen Moment, auf den viele so lange warten müssen! Er entschied sich, fortan den Drucker die Arbeit der Farbaufbringung vollziehen zu lassen. Was zunächst simpel und wenig künstlerisch klingt, entwickelt sich bei Guyton jedoch tatsächlich zu großer Kunst. Denn die Tintenstrahldrucker wurden immer größer und inzwischen legt der US-Amerikaner ganze Leinwände in sie hinein. Für die Ausstellung im Museum Ludwig musste er die Bahnen sogar falten, damit sie noch bedruckt werden können.

Guyton bezeichnet seine Ausdrucke als Paintings. Ist das zulässig? Ich glaube schon. Jedes Werk ist einzigartig. Die Leinwände werden von Guyton mehrfach in den Drucker eingelegt. Der Vorgang des Druckens ist eigentlich nur sein Pinselersatz. Jegliches künstlerische Element entsteht durch die Einflussnahme Guytons. Er entscheidet über das Druckmotiv, wie oft bedruckt wird und wie er die Leinwände in den Drucker einlegt.

Die Werke sind monochrom schwarz oder grau. Sie erhalten ihre Struktur in der Regel durch gemeinhin als technische Fehler bezeichnete Veränderungen beim Ausdruck. Ein Tintenstrahldrucker ist eben nicht in der Lage, wirklich große Flächen einheitlich fehlerfrei zu bedrucken. Die Stärke des Ausdrucks, oft bedingt durch nachlassende Tinte, schwankt. Genau dieser Effekt gibt den Bildern Guytons ihre Struktur und sorgt bei dem Betrachter für einen magischen Moment.

Guyton wird von der Galerie Gisela Capitain vertreten. Gisela Capitain gründete schon 1978 in Berlin gemeinsam mit Martin Kippenberger „Kippenbergers Büro“ und zeigte Ausstellungen junger Künstler. Guyton reiht sich in die illustre Reihe von Künstlern der Galerie ein.

Die Ausstellung im Museum Ludwig läuft vom 23. April bis 22. August 2010.

Wade Guyton im Museum Ludwig

Wade Guyton in der Galerie Gisela Capitain