Montag, 20. September 2010

21.09.-26.09.2010: photokina in Köln

Vom 21. bis 26. September 2010 findet wieder die photokina, die wichtigste Messe für Fotografie, in Köln statt. Im Rahmenprogramm der Messe finden sich einige interessante Veranstaltungen zu Fragen, mit denen ich mich als Kunstrechtsanwalt regelmäßig beschäftige.

Wer ohnehin einen Messebesuch plant, sollte sich ruhig die Zeit nehmen, die oder andere Veranstaltung in Halle 1 (meet the professionals Bühne) zu besuchen. Es lohnt sich bestimmt - hier meine Empfehlungen:
  • Dienstag, 21.09.2010, 16.00-17.00 Uhr: Fotorechte für Bildjournalisten 2009/2010
  • Mittwoch, 22.09.2010, 12.00-12.30 Uhr: Bildrechte
  • Mittwoch, 22.09.2010, 16.00-17.00 Uhr: Panoramafreiheit: Wem gehören Sanssouci, Zeche Zollverein und Deutschlands Straßenbild?
  • Donnerstag, 23.09.2010, 16.00-17.00 Uhr: Fotografen haben Namen, für das Recht auf Urhebernennung
  • Freitag, 24.09.2010, 12.00-13.00 Uhr: Bildrechte, Markenrechte, Urheberrechte: Verletzen vermeiden
  • Freitag, 24.09.2010, 15.30-16.00 Uhr: Bildrechte
  • Freitag, 24.09.2010, 17.00-18.00 Uhr: Honorare, Vertragsbedingungen, Vergütungsregeln für Bildjournalisten
  • Samstag, 25.09.2010, 12.00-13.00 Uhr: Bildrechte, Markenrechte, Urheberrechte: Verletzen vermeiden
Das komplette Programm finden Sie auf der offiziellen Messeseite.

Sonntag, 29. August 2010

Ein herzliches Willkommen an Jason & Dave vom Kunstrechtsanwalt!

Seit einigen Tagen sorgt ein neues Projekt für Furore im Internet: Jason & Dave wollen innerhalb eines Jahres 1 Million Dollar verdienen. Gut, das wollen viele – aber keiner stellt seine Aktionen nur unter dieses eine Ziel. Jason & Dave haben die Website http://www.famousnrich.com registriert und betreiben dort einen Blog. Zusätzlich sorgen sie auf Twitter unter http://www.twitter.com/famousnrich für Unterhaltung und Aufmerksamkeit. Innerhalb kürzester Zeit fanden sie bereits über 50 Follower.

Jason & Dave wollen mit täglichen Posts eine famousnrich.com Fangemeinde aufbauen, die dann letztlich Werbegewinne für Jason & Dave generiert. Die ersten Ansätze der Seite begeistern mich. Die beiden Glücksritter haben definitiv Kultpotenzial. Es macht einfach Spaß, von Anfang an dabei zu sein. Geplant sind außerdem permanent aktualisierte Diagramme, die den aktuellen famous- and rich-Faktor visualisieren. Das heißt, wer auf die Site kommt, sieht, wie weit die beiden es gebracht haben und kann dazu beitragen, dass der Erfolg wächst.

Womit verbinden Sie Paris Hilton? Reine Selbstvermarktung ohne jegliche Inhalte – aus der trotzdem eine Werbeikone wurde? Warum sollten Jason & Dave das nicht auch schaffen? Der Unterschied ist allerdings, dass Jason & Dave noch nicht abgehoben sind, jede Frage sofort beantworten und nicht verheimlichen, dass sie nur Geld verdienen wollen! Seien Sie dabei, verfolgen Sie dieses spannende Projekt…

Montag, 14. Juni 2010

Jean-Michel Basquiat: Triumphale Ausstellung in Basel

Vom 16. bis 20. Juni 2010 findet in Basel die 41. Ausgabe der Art Basel statt. Für viele Kunstinteressierte ein Grund nach Basel zu fahren. Aber die Kunstmesse sollte nicht das einzige Ziel in der Grenzstadt am Rhein sein. Meine Empfehlung: Die Fondation Beyeler in Riehen.
Dort ist noch bis zum 5. September 2010 die Ausstellung BASQUIAT zu sehen. Es handelt sich dabei um die erste umfassende Retrospektive auf europäischem Boden des Künstlers Jean-Michel Basquiat.

Wer war Basquiat?

Basquiat war der erste farbige Künstler, der es zu Weltruhm brachte. Er wäre in diesem Jahr 50 Jahre alt geworden, starb jedoch schon 1988 mit 27 Jahren am goldenen Schuss. Basquiat wollte es zu Ruhm bringen und das schaffte er auch. Er galt als skandalumwittert und gerade deshalb liebte ihn der Kunstmarkt. Zeitweise war er eng mit Andy Warhol befreundet, außerdem wird ihm eine dreimonatige Affäre mit Madonna nachgesagt.

Wie sehen seine Bilder aus?

Basquiat war ursprünglich Graffiti-Künstler und irgendwie ist er das auch zeitlebens geblieben. Seine Bilder sind großformatig, grell-bunt und oftmals agressiv. Seine Werke sind gerne collagenhaft gestaltet und enthalten viele versteckte Botschaften, die es für den Betrachter zu entschlüsseln gilt.

Was hat mich angesprochen?

Da ist einmal das Wissen, dass Basquiat nur kurz gelebt hat und sich nie mit dem Kunstmarkt anfreunden konnte. So hat er unzählige Male seine Galeristen gewechselt, weil er sich von diesen ausgebeutet fühlte. Und tatsächlich haben sie ihm teilweise die noch nassen und nicht fertigen Bilder entrissen, weil sie schon einen Käufer hatten. Die weiße New Yorker Kunstszene der 80er Jahre hat sich um die Bilder gerissen. Es war chic, einen Basquiat zu haben. Ich bin mir sicher, dass die Käufer den Inhalt der Bilder aber oft nicht verstanden haben. Basquiat setzte sich sehr kritisch mit dem Kapitalismus, der Sklaverei und der rassistischen Gesellschaft auseinander. Auf fast jedem Bild befinden sich Hinweise auf Martin Luther King, die Black Power Bewegung, Jesse Owens oder andere farbige Freiheitskämpfer. Und deshalb bin ich überzeugt davon, dass es Basquiat eine Genugtuung gewesen sein muss, diese Botschaften in den Häusern der elitären Käuferschicht zu platzieren.

Warum ist die Ausstellung so einzigartig?

Da Basquiat gegen das Establishment revoltierte, wurde er zu Lebzeiten kaum von Museen gekauft. Bei den über 100 Werken in der Ausstellung habe ich nur ganz wenige Eigentumsschilder von Museen gesehen. Fast alle Werke gehören zu Privatsammlungen. Und inzwischen werden seine Werke zu Preisen im zweistelligen Millionenbereich gehandelt. Es ist daher äußerst schwierig, so eine umfassende Retrospektive zusammenzustellen und der Öffentlichkeit zu zeigen. Der Katalog zu der Ausstellung ist toll, aber die großen Formate kommen in einem Buch einfach nicht so beeindruckend herüber. Für mich ist die Ausstellung in Basel das Kunsthighlight des Sommers 2010!

Meine Empfehlung für den Ausstellungsbesuch:

Täglich finden öffentliche Führungen statt. Sie sind mit 7 CHF Aufpreis zum Eintritt moderat bepreist und auch nicht zu voll. Die Führung hilft bei der Entschlüsselung der Werke und eröffnet Nicht-Kunsthistorikern neue Sichtweisen auf Jean-Michel Basquiat. Nach der Führung sollte man sich noch genügend Zeit nehmen, die anderen Bilder anzuschauen.
Nebenher lassen sich in der Fondation Beyeler u.a. auch noch mehrere Giacometti-Skulpturen und Topwerke von Picasso, Kandinsky, Monet, Gerhard Richter u.a. besichtigen!

Fondation Beyeler
Estate of Jean-Michel Basquiat


Mittwoch, 26. Mai 2010

Wie Banken in der Krise mit Kunst Kasse machen

74 Millionen Euro erlöste die Commerzbank im Februar 2010 mit der Versteigerung der Bronzeplastik „Der schreitende Mann“ von Alberto Giacometti. Selbstredend, dass man das Geld in eine Stiftung stecken möchte. Auf bis zu 7,5 Millionen Euro ist „RE 49, Relief Eponge Bleu“ von Yves Klein taxiert, das die HypoVereinsbank zur Versteigerung am 28. Juni 2010 bei Sotheby’s eingeliefert hat. Klar, dass der Erlös wieder in die Kunstförderung investiert werden soll.

Was ist da los? Wieso treten auf einmal zwei Banken als Verkäufer auf dem Kunstmarkt auf? Sind die Banken durch die Finanzkrise so klamm, dass sie die letzten stillen Reserven heben müssen?

Was bei der Commerzbank zutreffen könnte, sollte eigentlich nicht das Motiv der HypoVereinsbank sein.

Aber zunächst zur Chronik: Seit Jahrzehnten treten die Banken als Kunstförderer auf und haben umfangreiche, bedeutende Kunstsammlungen aufgebaut. Große Sammlungen, wie z.B. die der Deutschen Bank oder der DZ Bank, werden regelmäßig in Kunstpublikationen beschrieben. Entstanden aus der Idee, die tristen Flure der Frankfurter Hochhäuser und später dann auch der größeren Zweigstellen mit Kunst zu beleben und die Mitarbeiter an zeitgenössische Kunst heranzuführen. Oftmals im Kleinen begonnen, entwickelten die Kunstsammlungen eine eigene Dynamik. So gilt es als Auszeichnung, wenn ein Künstler von einer Bank gesammelt wird.

Warum ist das so und wird das so bleiben?

Anders als viele öffentliche Museen verfügten die Banken über Jahre hinweg über bedeutende Ankaufsetats, die sie auch noch sinnvoll einzusetzen wussten. Dabei kauften sie nicht etwa auf Auktionen Prestigeobjekte für ihre Sammlung (im Unterschied zu den bei ihnen angestellten Investmentbankern oder Hedgefondsmanagern!), sondern konzentrierten sich auf die Entdeckung jüngerer Künstler im Preisbereich bis 10.000 Euro. Mit der Zeit entwickelten die Kunstsammlungen eine Aura musealen Charakters. Es war undenkbar, dass die Kunst als Investment angesehen würde. Bei zahlreichen Gelegenheiten wurde die Kunst zudem der interessierten Öffentlichkeit präsentiert.

Ein Museum verkauft seine Kunst nicht und – obwohl sich die Banken nie derart festlegten – ging das Kunstsammeln der Banken vom Anspruch her über das private Kunstsammeln hinaus. Die Banken haben jahrelang von einem positiven Image profitiert. Dieses Image schafften sie u.a. auch durch ihre als Kunstförderung proklamierten Kunstsammlungen. Im Private Wealth Management mit besonders vermögenden Kunden öffneten sich dadurch viele Türen für sie.

Doch das scheint jetzt vorbei.

Sicher ist es für einen Vorstand verlockend, Kunstwerke zu verkaufen und damit die leeren Kassen zu füllen. In Zeiten, in denen – wie bei der Commerzbank – die Aktionäre keine Dividende mehr erhalten und der Staat auf Zinsen für seine stille Einlage verzichten muss, ist auch das Tafelsilber nicht mehr sicher. Wenig überraschend war da der kleinlaute Nebensatz zur Bilanzpressekonferenz 3 Wochen nach der Auktion: Zwei Drittel des Erlöses will die Commerzbank nun für sich behalten, lediglich ein Drittel soll gestiftet werden.

Meines Erachtens befinden wir uns gerade mitten in einer Testphase. Einzelne Kunstwerke werden in den Markt gegeben. Garniert wird dies mit Versprechungen, die Erlöse gemeinnützig zu verwenden. Die Öffentlichkeit soll beruhigt werden. Eine Überprüfung, wie viel von den erheblichen finanziellen Mitteln wirklich wieder der Kunst zugeführt wird, erscheint schwierig.

Und rechtfertigt der Zweck überhaupt den Verkauf? Ich halte den Verkauf von Kunstwerken durch einzelne Banken für einen kalkulierten Tabubruch mit großen Folgen für die Kunstwelt. Die Kunstsammlungen der Banken werden zukünftig mit anderen Augen betrachtet werden. Sie werden ihren musealen Charakter verlieren und zu Kunstfonds heruntergestuft. Dabei hätte gerade die Finanzkrise die Chance geboten, das Image über die Kunst wieder zu verbessern. Jetzt fällt auch noch die letzte Bastion und die Banken haben ihre Ausnahmestellung dauerhaft verloren.

Dienstag, 27. April 2010

Visionen für das Kölner Museum für Angewandte Kunst (MAK)


Das MAK besteht seit 1881 und ist damit nach dem Wallraf-Richartz-Museum das zweitälteste Museum Kölns. Obwohl es das einzige Museum für angewandte Kunst in Nordrhein-Westfalen findet es im öffentlichen Bewusstsein kaum statt. Sein Image lässt sich getrost als verstaubt bezeichnen.

Seit dem 1. März 2010 wird das Museum nun durch seine neue Direktorin Frau Dr. Petra Hesse geleitet. In einem Vortra g auf Einladung des Kulturforums Köln e.V. stellte sie am 26. April 2010 ihr Konzept vor. Den Vortrag betitelte sie mit „ Die Zukunft des MAK“. Und sie versprach nicht zu viel!

Frau Dr. Hesse, eigentlich Frankfurterin, arbeitete die letzten 11 Jahre in Mannheim. Dort sammelte sie umfangreiche Erfahrungen im Museumsmanagement, die sie nun in Köln einbringen will.

Zunächst stellte sie die Stärken des MAK vor. Dazu gehören etwa die 5.300 qm Ausstellungsfläche in einem architektonisch herausragenden Gebäude und der exzellente Standort mitten in der Kölner City. Dieser Standortvorteil wird aktuell jedoch nicht als Trumpf gespielt. Deshalb ist der erste Ansatzpunkt eine bessere Außendarstellung. Dazu gehört eine visuelle Profilierung. Im Außenbereich sollen schon bald ein Farbband entlang des Ausstellungsgeschosses und Schaufenster im Erdgeschoss die Besucher anlocken und Laufpublikum animieren, sich mit dem MAK zu beschäftigen. Im Moment ist von außen kaum erkennbar, was innerhalb des Gebäudes stattfindet.

Innerhalb des Museums will Frau Dr. Hesse den kathedralen Charakter des Hauses betonen und die Oberlichter stärker in den Mittelpunkt rücken. Das Ganze soll – wie heute allgemein üblich – durch ein Corporate Design unterstrichen werden. Mittels eines integrierten Besucherleitsystems sollen sich die Museumsbesucher zurechtfinden.
Neben der Visualisierung will Frau Dr. Hesse das Profil des MAK als Zentrum für Design stärken. Dazu will sie verstärkt Kooperationen mit der Kreativwirtschaft und der Hochschullandschaft suchen. Als konkretes Beispiel führte sie die Gründung der „DesignLounge Cologne“ mit dem Rotonda Business Club an. Zielgruppe sind alle Akteure der Design- und Kreativszene, die sich 6 mal jährlich treffen. Die erste Lounge wird am 10. Juni 2010 um 19.00 Uhr stattfinden.

Die einzelnen Ausstellungsjahre sollen unter ein spezielles Thema gestellt werden. Für 2011 stellte sie unter dem Thema „Design und Kunst“ spannende Ausstellungen, wie „The Art of Pop Video“ parallel zur c/o pop oder „Fantastic GameZ – Gamesdesign von 1979 bis 2009“ zur Gamesconvention vor. 2012 wird dann das Jahr der Architektur und 2013 das Jahr der Männer!
Insgesamt macht Frau Dr. Hesse einen frischen, motivierten Eindruck. Sie scheint die richtigen Stellschrauben gefunden zu haben, mit denen sie ohne zusätzliches städtisches Geld das Image des MAK verbessern und frischen Wind in das Museum bringen wird. Ich bin gespannt, wie die Visionen in der Realität wirken werden!

MAK Museum für angewandte Kunst

Kulturforum Köln e.V.

Freitag, 23. April 2010

hörner|antlfinger im Künstlergespräch auf der ArtCologne


Auf der ArtCologne 2010 lud am 22. April das imai – inter media art institute, Düsseldorf, zum Künstlergespräch in die Rheinlandlounge. Im äußerst kleinen Kreis (neben mir noch zwei weitere Gäste und die Moderatorin Darija Simunovic) entwickelte sich ein interessantes Gespräch mit dem Künstlerpaar Ute Hörner und Mathias Antlfinger.

Unter der Marke hörner|antlfinger haben sich die beiden der Videokunst verschrieben. Seit 2009 sind sie zudem Professoren für Medienkunst an der Kunsthochschule für Medien Köln.

Was unterscheidet ein Künstlerpaar von einem Einzelkünstler? Wer alleine arbeitet, ist mindestens doppelt so schnell! Als Künstlerpaar redet man über Ideen - vergleichbar zu einem Bildhauer bildet sich dann langsam ein Projekt heraus. Wenn man gemeinsam arbeitet, muss man den anderen mitnehmen, ihn überzeugen. Es ist viel aufwändiger als wenn man alleine arbeitet.

Trotz dieser klaren Worte machten hörner|antlfinger überhaupt nicht den Eindruck als seien sie genervt davon, den jeweils anderen erst überzeugen zu müssen. Sie scheinen sich perfekt zu ergänzen und spielten sich auch im Gespräch die Bälle zu.

Angesprochen auf die technische Entwicklung im Bereich der Videokunst, stellte sich dann ein klassischer Konflikt zwischen Künstlern und Sammlern dar. hörner|antlfinger berichteten, dass sie gerade eine 15 Jahre alte Videoinstallation für das Museum Ludwig auf neuere Hard- und Software transformieren. Solange die Künstler dazu bereit und in der Lage sind, ist es ja gut. Andernfalls zeigt sich dann die Vergänglichkeit von Kunst…

hörner|antlfinger denken während ihrer Projekte nicht über die Lebensdauer der digitalen Kunst nach. Sie halten diese Arbeiten – aufgrund des technischen Fortschritts - niemals für abgeschlossen! Sie könnten ja nach 10 Jahren überarbeitet werden. Zugleich wünschen sie sich aber auch ein einheitliches Format für digitale Kunst, das dann tatsächlich für einen größeren Zeitraum Bestand hat.

Ausgewählte Videos von hörner|antlfinger können im Online-Katalog des imai – inter media art institute betrachtet werden. Dort ist auch ein Kauf möglich.

hörner|antlfinger
imai – inter media art institute

Sonntag, 18. April 2010

Alberto Giacometti trifft Stephan Balkenhol


Als Alberto Giacometti im Jahr 1966 starb, war Stephan Balkenhol erst 8 Jahre alt. Und so musste Balkenhol zunächst sein Studium an der Hochschule für Bildende Künste in Hamburg bei Ulrich Rückriem abschließen, bis er sich dem Werk von Giacometti näherte. Das Lehmbruck-Museum in Duisburg brachte die künstlerischen Positionen der beiden Bildhauer nun in parallelen Ausstellungen in einen realen Diskurs. Am 17. April 2010 war Stephan Balkenhol persönlich zum Künstlergespräch anwesend.

Balkenhol faszinierte an Giacometti von Anfang an die unprätentiöse Herangehensweise an die Skulptur. In bewusster Abgrenzung zu vielen Vertretern in der Kunst (z.B. in der Pop Art) will er sich von aufgestülpten Inhalten lösen. Wie Giacometti will er das Menschenbild konkret sehen.

Anders als Giacometti sieht sich Balkenhol jedoch „nur” als Bildhauer, nicht auch als Maler. Während Giacometti geradezu erzürnt war, dass er 1962 neben dem Großen Preis der Biennale in Venedig für Bildhauerei nicht auch als Maler ausgezeichnet wurde, versteht sich Balkenhol insoweit lediglich als „Anstreicher“. Er streicht seine Skulpturen an, gibt den Männern z.B. eine Hose und ein Hemd. Damit will er vor allem erreichen, dass das Material der Skulptur – meistens Pappelholz – in den Hintergrund tritt. Es ist für ihn nicht bedeutend, sondern entspricht einfach seinem Temperament.

Bei der Ausübung seines Temperaments spielt er Gott. Er arbeitet ohne Modell und schafft aus dem Rohling einen Menschen. Diesen bietet er dann als Projektionsfläche für Jeden an.

Anders als Giacometti, der zeitlebens mit seinem Werk haderte, ist Balkenhol mit den Ergebnissen seiner Tätigkeit überaus zufrieden. Er hält seine Skulpturen für gelungen. Eine Einschätzung, die die zahlreichen Besucher wie auch der Kunstmarkt seit Jahren teilen.

Stephan Balkenhol in der Galerie Löhrl

Stephan Balkenhol in der Galerie Rüdiger Schöttle

Stephan Balkenhol in der Johnen Galerie

Fondation Alberto et Annette Giacometti

Lehmbruck-Museum, Duisburg


Mittwoch, 14. April 2010

Magische Momente mit Wade Guyton

Eine Woche vor Eröffnung seiner Ausstellung im Museum Ludwig in Köln bot Wade Guyton den zahlreichen Besuchern seines Künstlervortrags einen intimen Einblick in seine Arbeit. 1972 in Hammond, Indiana, geboren studierte er bis 1998 am Hunter College in New York City. Eines Abends saß er vor seinem Computer und blickte gelangweilt auf sein Equipment. Ohne besondere Inspiration legte er ein herumliegendes, bedrucktes Papier in seinen Tintenstrahldrucker und ließ es überdrucken.

Als er das Ergebnis sah, hatte er diesen magischen Moment, auf den viele so lange warten müssen! Er entschied sich, fortan den Drucker die Arbeit der Farbaufbringung vollziehen zu lassen. Was zunächst simpel und wenig künstlerisch klingt, entwickelt sich bei Guyton jedoch tatsächlich zu großer Kunst. Denn die Tintenstrahldrucker wurden immer größer und inzwischen legt der US-Amerikaner ganze Leinwände in sie hinein. Für die Ausstellung im Museum Ludwig musste er die Bahnen sogar falten, damit sie noch bedruckt werden können.

Guyton bezeichnet seine Ausdrucke als Paintings. Ist das zulässig? Ich glaube schon. Jedes Werk ist einzigartig. Die Leinwände werden von Guyton mehrfach in den Drucker eingelegt. Der Vorgang des Druckens ist eigentlich nur sein Pinselersatz. Jegliches künstlerische Element entsteht durch die Einflussnahme Guytons. Er entscheidet über das Druckmotiv, wie oft bedruckt wird und wie er die Leinwände in den Drucker einlegt.

Die Werke sind monochrom schwarz oder grau. Sie erhalten ihre Struktur in der Regel durch gemeinhin als technische Fehler bezeichnete Veränderungen beim Ausdruck. Ein Tintenstrahldrucker ist eben nicht in der Lage, wirklich große Flächen einheitlich fehlerfrei zu bedrucken. Die Stärke des Ausdrucks, oft bedingt durch nachlassende Tinte, schwankt. Genau dieser Effekt gibt den Bildern Guytons ihre Struktur und sorgt bei dem Betrachter für einen magischen Moment.

Guyton wird von der Galerie Gisela Capitain vertreten. Gisela Capitain gründete schon 1978 in Berlin gemeinsam mit Martin Kippenberger „Kippenbergers Büro“ und zeigte Ausstellungen junger Künstler. Guyton reiht sich in die illustre Reihe von Künstlern der Galerie ein.

Die Ausstellung im Museum Ludwig läuft vom 23. April bis 22. August 2010.

Wade Guyton im Museum Ludwig

Wade Guyton in der Galerie Gisela Capitain